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Stadtbücherei Preetz Wappen der Stadt Preetz

Tipps 2006

Übersicht

Januar 2006

Cover - LaGalite, John: Zacharias.LaGalite, John: Zacharias.

Eine Empfehlung von Karen Verweegen:

Der 12-jährige Zach(arias) lebt mit seiner Mutter in einem Wohnblock, dessen Atmosphäre von sozialer Kälte geprägt ist. Nach dem Selbstmord einer Nachbarin zieht ein neuer Mieter, Jakob, ein, der sich scheinbar für Zachs Mutter interessiert. Zach hält ihn für den Frauenmörder, der bereits 3 Frauen auf dem Gewissen hat. Vor allem aber fürchtet er, Jakob könne sich zwischen ihn und seine über alles geliebte Mutter drängen. Da verunglückt Jakob mit dem Motorrad und wird zum Pflegefall. Zachs Mutter übernimmt die Pflege, um die Haushaltskasse aufzubessern, und der Junge unterzieht Jakob eigenartigen Verhören, um ihn der Morde zu überführen. John LaGalite wurde zurecht für dieses Buch mit einem wichtigen Literaturpreis Frankreichs ausgezeichnet. Der Roman ist keinem Genre eindeutig zuzuordnen: spannender Thriller mit überraschendem Schluss, anspruchsvoller Gesellschaftsroman und unter die Haut gehende moderne Kindheitsgeschichte. Konsequent aus der Sicht eines Kindes erzählt in nüchterner, klarer Sprache, die dem Leser zeitweise Schauer über den Rücken treibt.

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Februar 2006

Cover - Krauss, Nicole: Die Geschichte der Liebe.Krauss, Nicole: Die Geschichte der Liebe.

Eine Empfehlung von Karen Verweegen:

Hier wrird erzählt und verwoben wie lange nicht mehr. "Die Geschichte der Liebe" handelt davon, wie ein Buch die Schicksale von Menschen miteinander verbindet, die sich nie im Leben getroffen haben. Leopold Gursky, ein polnischer Jude, der einsam und alt in New York lebt, hat in seiner Jugend ein Buch über die Entstehung der Liebe geschrieben, eine Art Entwicklungsgeschichte dieses unerklärlichen Gefühls. Jede Frau, die darin vorkam, nannte er Alma - wie das Mädchen, das er liebte. Dann kamen die Nazis, er und seine Alma wurden getrennt, und bis er die Flucht nach Amerika schaffte, wo er sie endlich wiedersehen sollte, hatte sie längst die Hoffnung aufgegeben, er könne überlebt haben, einen anderen geheiratet und einen fünfjährigen Sohn - seinen, Leopold Gurskys, Sohn. Ein poetischer Roman mit berückendem Coverporträt, voller skurriler Weisheit und melancholischer Momente, dessen sanftem Sog man sich kaum entziehen kann und dessen ungesehene, "unsichtbare" Hauptperson in seiner Einsamkeit doch weiß: "Denn schließlich: Wer wünscht sich nicht, aus seiner Einsamkeit ein Schauspiel zu machen?"

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März 2006

Cover - Jones, Edward P.: Die bekannte Welt.Jones, Edward P.: Die bekannte Welt.

Eine Empfehlung von Karen Verweegen:

Fast zehn Jahre arbeitete Edward P. Jones an seinem Roman "Die bekannte Welt". 2004 gewann er für diesen Roman den Pulitzer-Preis und wird in einem Atemzug mit der Nobelpreisträgerin Toni Morrison genannt. "Die bekannte Welt" befasst sich mit dem wohl dunkelsten Kapitel der amerikanischen Geschichte, der Sklaverei. Es geht darin um die wenig bekannte Tatsache, dass freigelassene Schwarze, die zu Grundbesitz gekommen waren, ebenfalls Sklaven hielten. Henry Townsend gehört zu jenen Schwarzen, die es "geschafft" haben. Als junger Mann von seinem Vater freigekauft, besitzt er mehr als 50 Morgen Land, das er mit 33 Sklaven bewirtschaftet. Schnell hat er sich damit arrangiert, auf der Seite derjenigen zu stehen, für die der Wert eines Schwarzen sich lediglich in Arbeitskraft und Dollars bemisst. Als Henry überraschend stirbt, kann seine Witwe Caldonia allerdings nicht verhindern, dass seine Plantage verfällt. Um den Aufstieg eines Schwarzen zum Plantagenbesitzer, den Edward P. Jones in Rückblenden erzählt, ranken sich kaleidoskopartig eine Fülle magischer, komischer und tragischer Geschichten, darunter die des wei&szligen Halsabschneiders Sawyer, die des schwarzen Aufsehers Moses und die des armen Sklaven Fred, dem das Ohr abgeschnitten wird, als er zu fliehen versucht. Ohne sich mit Fragen der so genannten historischen Wahrheit aufzuhalten, erschafft Jones mit seiner schnörkellosen Prosa ein erschütterndes Bild menschlicher Tragödien.

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April 2006

Cover - Némirovsky, Irène: Suite francaise.Némirovsky, Irène: Suite francaise.

Eine Empfehlung von Karen Verweegen:

Die Lebensumstände der nach Paris ausgewanderten jüdischen Exilrussin und erfolgreichen Schriftstellerin Némirovksy nahmen bedrohliche Formen an, als sie 1941/42 die "Suite ..." niederschrieb, einen Roman, den sie nicht vollenden durfte, weil der französische Staat Menschen jüdischer Herkunft den Schutz versagte. Während sie und ihr Ehemann in Auschwitz umkamen, überlebten die beiden Töchter in wechselnden Verstecken, immer bei ihnen das Manuskript der "Suite", mit dem sie sich erst viel später auseinander setzten. Némirovsky, die sich von dem Land, dessen Sprache sie liebte, verraten fühlte, beschreibt hier schonungslos das erbärmliche, unangemessen eitle und frömmelnde Verhalten der Menschen, die auf der Flucht vor den Deutschen plötzlich der Hautnähe mit Menschen anderer Gesellschaftsschichten ausgesetzt sind. Im 2. Teil skizziert die Autorin den merkwürdigen Prozess der Anpassung eines Dorfes an die Besatzungssituation. Ein zeitgeschichtlich hochinteressanter Gesellschaftsroman, in dem die Autorin mit geradezu sezierendem Blick auf ihre Mitmenschen schaut.

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Mai 2006

Cover - Székely, János: Verlockung.Székely, János: Verlockung.

Eine Empfehlung von Karen Verweegen:

Der kleine Béla wird in Ungarn zwischen den beiden Weltkriegen unehelich geboren und zusammen mit anderen Kindern, die ein ähnliches Schicksal haben, lieblos von einer Pflegefamilie aufgezogen, während seine Mutter, die selbst fast noch ein Kind ist, als Dienstmädchen arbeiten muss. Irgendwann kommt Béla nach Budapest zu seiner Mutter und bekommt einen Job als Boy in einem Grand Hotel.

Székely verarbeitet in diesem Roman z.T. auch seine eigene Kindheit und Jugend. Er schreibt konsequent in Ich-Form aus der Sicht Bélas und zeigt plastisch die Situation der damaligen ungarischen Gesellschaft, die Unterschiede zwischen Arm und Reich sowie die Perspektivlosigkeit der "kleinen Leute", die sich trotzdem ihre Hoffnung auf ein besseres Leben bewahren.

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Juni 2006

Cover - Parker, Dorothy: New Yorker Geschichten.Parker, Dorothy: New Yorker Geschichten.

Eine Empfehlung von Karen Verweegen:

"Dorothy Parker" (Pseudonym, 1893 - 1967) war Schriftstellerin, Kritikerin, sie war gefürchtet wegen ihrer scharfzüngigen Bosheit und beliebt wegen ihres großen sozialen Engagements. Sie hat in den 30er Jahren eine Reihe geschliffener Kurzgeschichten über Leben und Liebe im damaligen New York geschrieben - leicht und tief zugleich, mit Verachtung für die Schickeria und einem großen Herzen für arme kleine Ladenmädchen und deren unerfüllte Träume. Und darüber, dass Männer und Frauen, was wir ja immer schon geahnt haben, nicht zusammenpassen. Sie beobachtet genau und ihre immer noch aktuellen Geschichten sind geprägt von einer entlarvenden, ironisch-sarkastischen Tendenz.

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Juli 2006

Cover - Kuegler, Sabine: Dschungelkind.Kuegler, Sabine: Dschungelkind.

Eine Empfehlung von Katrin Becker:

Was für die meisten ein Alptraum gewesen wäre, war für Sabine das Paradies. Im Alter von 5 Jahren zog sie mit ihren Eltern und Geschwistern in den Dschungel West-Papuas. 12 Jahre lang (1978 - 1986) lebte Sabine im Dschungel bei dem Stamm der Fayu. Während ihr Vater sprachwissenschaftliche Studien an dem neuentdeckten, kriegerischen Stamm unternahm, lernte Sabine die Gesetze des Dschungels kennen. Sie lernte den Umgang mit Pfeil und Bogen, dass Frauen nicht geliebt, sondern gestohlen wurden und dass Fayu ihre Toten nicht begruben, sondern in ihren Hütten aufbewahrten. Den Überlebenskampf im Dschungel beschreibt sie wie die normalste Sache der Welt, gespickt mit köstlichem Humor. Doch die große Angst erfährt sie erst, als ihr Traum abrupt endet und sie in die Zivilisation zurückkehrt, um ein Schweizer Internat zu besuchen. Einfühlsam schildert sie ihre Probleme mit der westlichen Zivilisation und ihren Stand zwischen den Kulturen. Die sachliche Aufteilung des Buches in kleine Episoden macht das Werk zu einem kurzweiligen Lesevergnügen, das nicht nur nur Abenteurerherzen höher schlagen lässt.

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August 2006

Cover - Auster, Paul: Die Brooklyn-Revue.Auster, Paul: Die Brooklyn-Revue.

Eine Empfehlung von Karen Verweegen:

Nathan Glass ist 59, frühpensionierter Versicherungsvertreter. Er hat seine Frau durch Scheidung verloren, eine Therapie gegen Lungenkrebs hinter sich und ist aus New Jersey nach Brooklyn gezogen, um dort auf den Tod zu warten. Eines Tages trifft er bei einem Bummel seinen Neffen Tom Wood, der bei einem merkwürdigen Antiquar namens Harry Brightman jobbt. Auch Nathan beginnt sich öfters in dessen Antiquariat aufzuhalten. Brightman, der Nathans in Vertreterjahren erworbene Menschenkenntnis zu schätzen lernt, zieht ihn ins Vertrauen über einen Coup: Ein gut gefälschtes Originalmanuskript von Hawthornes "Scarlet Letter" soll an einen Millionär verkauft werden. Nathan rät dringend ab, wittert eine böse Falle, aber Harry ist nicht zu stoppen. Und so nimmt diese Revue ihren fatalen Lauf. Außerdem muss Nathan sich plötzlich nicht nur um seine kleine Nichte Lucy kümmern, sondern auch um seine Tochter Aurora. Eine wunderbar poetische Hommage an das Leben im New Yorker Stadtteil Brooklyn. Auster charakterisiert seine Personen so, dass man einerseits schmunzeln muss, andererseits aber auch den Ernst der jeweiligen Situation spürt.

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September 2006

Cover - Trojanow, Ilija: Weltensammler.Trojanow, Ilija: Weltensammler.

Eine Empfehlung von Karen Verweegen:

Der bisher mit einem Roman und eindrucksvollen Reisereportagen bekannt gewordene bulgarisch-deutsche Autor nützt seine Kenntnisse der hinduistischen und islamischen Kultur für einen historischen Abenteuerroman. Im Mittelpunkt stehen die Reisen des britischen Kolonialoffiziers Sir Richard Burton (1821-1890) ins indische Hinterland, zu den heiligen Städten des Islam in Arabien sowie zu den geheimnisumwobenen Quellen des Nils in Ostafrika. Burton ist ein Grenzgänger zwischen den Kulturen und Religionen, dem sich das ganz Andere und Besondere fremder Kulturen erschließt. Darin ebenso wie in der Fülle charakteristischer Episoden liegt die Stärke des Romans.

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Oktober 2006

Cover - Grimbert, Philippe: Ein Geheimnis.Grimbert, Philippe: Ein Geheimnis.

Eine Empfehlung von Karen Verweegen:

Paris in den 50er Jahren: Philippe ist ein schmächtiger Junge, der das Gefühl hat, von seinen liebevollen Eltern nicht akzeptiert zu werden. Erst mit 15 erfährt er von einer Freundin, dass seine Familie jüdisch ist und dass sie die Zeit der deutschen Besatzung keineswegs so gut überstanden hat, wie es Philippe immer vorgetäuscht wurde. Der autobiografische Roman schildert zunächst Philippes von Zweifeln geplagte Kindheit, in der er sich einen groß:en Bruder erträumt, der zugleich Freund und Widerpart ist, danach die Suche nach der wahren Vergangenheit seiner Familie. Den Bruder, Simon, hat es wirklich gegeben, er und seine Mutter sind nach Auschwitz deportiert worden. Der Vater hat wieder geheiratet, kann den Verlust aber nicht überwinden. Elke Heidenreich hat diesen kurzen Roman in den höhsten Tönen gelobt. Zu Recht, denn er schildert eine so noch nicht dargestellte Facette der Shoa und deren Folgen für die nachfolgende Generation. Der kleine Roman ist leicht zu lesen und genügt dennoch höchsten Ansprüchen.

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November 2006

Cover - Nesser, Hakan: Die Fliege und die Ewigkeit.Nesser, Hakan: Die Fliege und die Ewigkeit.

Eine Empfehlung von Karen Verweegen:

Der berühmte Philosoph Thomas Borgmann verfügt testamentarisch, dass sein ehemals bester Freund und Studienkollege Maertens eine Woche Zugang zu seiner exquisiten Bibliothek in einem abgelegenen Haus am Meer bekommen soll. Maertens, den die lange Gefängnisstrafe für einen Mord zum kauzigen Eigenbrötler gemacht hat, erkennt langsam, dass er eine Figur im grausamen Spiel des Verstorbenen war. - Spannender Krimi um ein ungewöhnliches Testament und ein längst gesühntes Verbrechen, gleichzeitig ein psychologischer Roman um Liebe, Ehrgeiz, Schuld und Sühne.

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Dezember 2006

Cover - Harris, Robert: Imperium.Harris, Robert: Imperium.

Eine Empfehlung von Karen Verweegen:

Der Autor RobertHarris versteht es wie kein Zweiter, die Antike mit Leben zu füllen und die Gegenwart in einem Roman zu beschreiben, der vor 2000 Jahren spielt. Imperium spielt im Rom der Antike und schildert aus der Sicht des Sklaven Tiro die (politische) Karriere eines mit allen Wassern gewaschenen Anwalts und geborenen Machtpolitikers von den Anfängen bis zur Wahl zum römischen Konsul: Marcus Tullius Cicero. Tiro, Ciceros Sklave, hat wirklich gelebt. Er war der unentbehrliche Helfer und Schreiber seines Herrn und hat seinen Aufstieg aus nächster Nähe miterlebt. Er beschreibt, wie es dem Außenseiter Cicero gelingt, sich gegen alle Widrigkeiten durch herausragende Intelligenz, aber auch durch Intrigen und Beeinflussung, durchzusetzen und sein ersehntes Ziel, römischer Konsul zu werden, durchsetzt.

Harris zeigt in diesem historischen Roman die Mechanismen der Macht auf, die heute wie vor 2000 Jahren ihre Gültigkeit haben. Wer hier keinen Thriller erwartet, wie sonst häufig bei diesem Autor, wird von der Lektüre nicht enttäuscht werden.

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